Foto:©Elisabeth Anton
Und das Schloss fällt
Besuch in einer Neuropsychiatrie
Wenn ein Mensch vor dir steht
Dessen Leben sich verändert, fast mit einem Schlag
Dann, wohl auch manche Hoffnung vergeht
Traurig geblieben meine Stunden, Jahre, Tag
Und wenn er dann bittend, bettelnd vor mir steht
„Nimm mich mit! Nur einmal nach Haus und nie mehr zurück
Ich weiß es. Nimm mich mit, ich weiß, dass es geht!“
Und ich muss zur Tür hinaus. Schloss und Riegel bleiben zurück
Und dahinter ein Mensch, Opfer seiner Krankheit
Er weiß wohl nicht immer, warum es nicht geht
Oder vielleicht doch? Vielleicht sieht er doch die Wirklichkeit
Wenn er, so bettelnd wie ein Kind, bittend vor mir steht
„Nimm mich mit! Lass mich, bitte, nicht hier!“
Und neigt seine Lippen an mein Ohr
Er flüstert: „Du kannst das, lass mich nicht hier!“
Und ich muss gehen. Ein Schloss knackt. Geschlossen „das Tor“
„Ich will mit nach Hause. Ich bin nur ein Versuchskaninchen hier
Tabletten geht auch daheim schlucken. Warum willst du mir nicht glauben?“
Bettelnd, bittend seine Augen. Meine Seele blutet. Er neigt sich zu mir
„Ich will mit dir nach Hause, das musst du mir einfach glauben.“
„Das geht doch nicht, der Arzt entscheidet hier
Nur noch wenige Tage, und wir haben alles überstanden.“
Er nimmt meine Hand: „Ich will fort von hier. Ich will mit dir
Komm, nimm mich mit. Das geht. Hast du´s nicht verstanden?“
Und das Schloss fällt…
Zwei Tage vor Weihnachten 2005 nahm ich meinen Mann mit nach Hause, weil sich seine Worte alle bewahrheitet.
(Und genau in dieser Klinik, wo er wieder wegen medikamentöser Einstellung eingeliefert wurde, 2009, kostete ihn die sogenannte lebenswichtige „medikamentöse Einstellung“ das Leben. Ohne meine Einwilligung hat man ihm Bauch- und Handgurte angelegt, (als ob es in einer Psychiatrie keine anderen Möglichkeiten gäbe, jemanden etwas zu beruhigen), es kam zu inneren Blutungen, weil Bauchgurt zu fest geschnallt, die ich drei Tage lang angesprochen, erst, wo ich mit der Polizei gedroht, kam der Oberarzt, leider war es dann zu spät, sofort in eine andere Klinik eingewiesen, wochenlang, wo der Arzt mir dort dann mitgeteilt, sie hätten alles getan, er hat zu viel Blut geschluckt, durch all die Tage, wo nichts gemacht wurde, Blut ,das man aus den Lungenbläschen nicht entfernen kann, er hat nur noch wenige Wochen zu leben. Aus der Klinik zuhause, gab es noch neun Tag für uns.)
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
18.12.2005
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