Foto:©Elisabeth Anton
Aussiedlung, welch spürbare Zeit
Ein allerletzter Blick zurück
Das Echo vom Torschloss verklungen
Die Fenster zu, keine Gardinen
Im Garten weinen die Schneeglöckchenzwiebel
Obwohl die Rosen duftend blühn´
Mein letzter Blick streift Haus, Gassen, Bäume, das Gestern
Nachbarn winken mir zu. Ich sehe nichts, höre Abschied
Meine Tränen verschleiern mir den Blick
Ich schließe die Augen. Vor mir, eine erdrückende Stille
Bilder reichen sich die Hände, als ob sie alles festhalten
Damit nichts geht, dass alles doch noch bleibt
Mit geschlossenen Augen, weinender Seele
Sehe ich die leeren Zimmer, die Küche ohne Sparherd
In den Ställen kein Vieh mehr, auch der Dachboden besenrein
Die Hundehütte schweigt in tiefster Traurigkeit
Der Schuppen wundert sich, dass all das gute Holz nicht mehr da
Weil, an Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn verschenkt
Für einen bevorstehenden eisigen Winter
Keine Möbel in den Räumen, keine Bilder mehr an den Wänden
Keine Lampen, keine Leiter, kein Fahrrad, keine Puppen
Keine Schubkarre, kein Spaten, keine Hacke, keine Mausefalle
Leben von Generationen, in nur wenigen Wochen
Verschwunden, als ob nie dagewesen
Weil Freiheit ersehnt, weg aus dieser Diktatur
Wo nur Heuchler die Privilegien der Partei gelebt
Ein allerletzter Blick, ein letztes Winken
Allem, was geblieben, zurückgelassen werden musste
Elternhaus, Heimaterde, gelebte Erinnerungen
Ein Augenblick voller Ersticken in der Zeit
Weil nicht zu begreifen, nicht zu verstehen
Warum es für Freiheit diese Opfer geben muss
Dann, um die Ecke, die anderen, die letzten Gassen
Nichts, nichts mehr vom Zuhause zu sehen
Von dem, was einst gelebte Wirklichkeit
Einer unvergessenen Heimatgeborgenheit
Die Geschichte hat ein Kapitel beendet
Es wird ein neues aufgeschlagen
Nur die Heimat, meine Heimat, es gibt sie nicht mehr
Heimat aufopfern müssen, um Freiheit zu leben
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
13.12.2019

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