Mittwoch, 18. September 2019

Hatzfeld, du Kathedrale von unverwechselbarem Seelenreichtum

















 Foto:©Elisabeth Anton


 
Hatzfeld, du Kathedrale von unverwechselbarem Seelenreichtum                             


Wenn Himmel und Erde sich still und wortlos berühren
Sieht das meiner Augen Weitsicht, Rapova1 davor
In Hatzfeld kann man am Horizont den Sonnenaufgang spüren
In Gedanken stehe ich vor meinem Elternhaus, halte mich fest am Tor

Ich schau Richtung Licht, Richtung Sonnenaufgang
Drehe meinen Blick, entdecke die alten „elektrischen Sicherungen“ an der Wand
Seit vielen Jahrzehnten „schmückten“ sie den vom Regen abgewaschenen Gang
Treu geblieben ihrem Standort. Am Gartenzaun kein Kasten mehr, mit Sand

Die Sonne grüßt, wie ein roter Ball steigt sie Richtung Himmelszelt
Ein Naturschauspiel ohnegleichen, genau wie auch der Sonnenuntergang
Erinnerungen! Wie schön es einmal war. Ich liebe dich, du mein Hatzfeld
Mein Blick schaut wieder zu den „alten Sicherungen“, im langen, schweigenden Gang

Was konnte er nicht so alles, so manches, erzählen
Wenn der Regen ihn geküsst, bis er seine Farben, seine Blumenmuster verloren
Ich musste oft suchen, welchen der Drähte muss ich nun wählen
Dass es wieder Licht, Strom gibt im Haus, im Haus, wo ich einst geboren

Was wickelte ich nicht so vorsichtig diesen dünnen Draht
Um dieses kleine weiße „Porzellanstück“, das zur Sicherung gehört
Erinnerung! Welch wundervolle Zeit, welch einmalige Heimat
Warum? Warum haben Menschen Heimat, Brauchtum, einfach zerstört

Heimat! In Gedanken stehe ich noch in der Spenglgass, stehe stumm vor dem Tor
Farbenbunter Blumenteppich liegt nicht mehr in der Einfahrt zum Hof, kein Brunnen mehr
Heimweh! Meine Tränen begleiten dich danach und auch davor
Wenn Erinnerungen mich umarmen, mein Herz traurig, der Himmel sternenleer

Ich höre die alte Nachbarin nicht mehr rufen, nach unserem Hund
Wie streichelte sie ihn so gerne. Sie schenkte mir Äpfel und Trauben
Und jetzt? So viele, zu viele ruhen in der Heimaterde, schweigend ihr Mund
Meine Tränen berühren das Tor. Sie gurren nicht mehr, unsere treuen Tauben

Rebenspalier schon lange weg, ein neues Bild vor meinen Augen zu sehen
Fremd und doch vertraut. Mein Elternhaus so einsam, so schweigsam vor mir
Ich sehe ihn, meinen Mann, mit dem Ölfarbentopf durchs Haus gehen
Wie er die Gassenfenster gestrichen, im Hof die neue Glastür

Was waren wir so stolz, weil alles von uns selbst gemacht
Jeder hatte seine Rolle in diesem häuslichen Erhaltungsspiel
Man hat zusammen geschuftet, gespart, geweint, getrauert und gelacht
Jeder hatte seine Arbeit, und jede Arbeit ihr eigenes, wertvolles Ziel

Selbstversorgung war der Weg durchs Leben. Selbsterhaltung
Damit es schön und brauchbar bleibt, was mit viel Mühe und Schweiß erreicht
Immer und immer wieder entflammte sie, die Hoffnung
Dass Heimweh, irgendwann, meinem Hatzfeld die Hand wieder reicht

So gerne wäre ich jetzt zuhause, in Hatzfeld, daheim
Der Vögel Lieder hören, sehen der Blumenkelche Zauberpracht
Heimat! Mein Heimweh wird immer und ewig bei dir sein
Die Sonne ging längst unter. Da oben schon die Sternennacht

Ich öffne die Augen, mein Traum ist vorbei, alles dahin
Tränen spüre ich. Sie berühren schweigend mein Gesicht
Hatzfeld! Du bist und bleibst meine Heimat. Tief in meinem Herzen drin
Bist du Kathedrale von unverwechselbarem Seelenreichtum, ich vergesse dich nicht

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
              09.02.2007


1. Östlicher Ortsteil von Hatzfeld. Kleine Ansiedlung von wenigen Häusern. Fast jedes Haus hatte seinen kleinen Weingarten, vor der Haustür.

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