Foto:©Elisabeth
Anton
Hatzfeld, du Kathedrale von unverwechselbarem
Seelenreichtum
Wenn Himmel und
Erde sich still und wortlos berühren
Sieht das meiner
Augen Weitsicht, Rapova1 davor
In Hatzfeld
kann man am Horizont den Sonnenaufgang spüren
In Gedanken
stehe ich vor meinem Elternhaus, halte mich fest am Tor
Ich schau
Richtung Licht, Richtung Sonnenaufgang
Drehe meinen
Blick, entdecke die alten „elektrischen Sicherungen“ an der Wand
Seit vielen
Jahrzehnten „schmückten“ sie den vom Regen abgewaschenen Gang
Treu geblieben
ihrem Standort. Am Gartenzaun kein Kasten mehr, mit Sand
Die Sonne
grüßt, wie ein roter Ball steigt sie Richtung Himmelszelt
Ein
Naturschauspiel ohnegleichen, genau wie auch der Sonnenuntergang
Erinnerungen!
Wie schön es einmal war. Ich liebe dich, du mein Hatzfeld
Mein Blick
schaut wieder zu den „alten Sicherungen“, im langen, schweigenden Gang
Was konnte er
nicht so alles, so manches, erzählen
Wenn der Regen
ihn geküsst, bis er seine Farben, seine Blumenmuster verloren
Ich musste oft
suchen, welchen der Drähte muss ich nun wählen
Dass es wieder
Licht, Strom gibt im Haus, im Haus, wo ich einst geboren
Was wickelte
ich nicht so vorsichtig diesen dünnen Draht
Um dieses
kleine weiße „Porzellanstück“, das zur Sicherung gehört
Erinnerung!
Welch wundervolle Zeit, welch einmalige Heimat
Warum? Warum
haben Menschen Heimat, Brauchtum, einfach zerstört
Heimat! In
Gedanken stehe ich noch in der Spenglgass, stehe stumm vor dem Tor
Farbenbunter
Blumenteppich liegt nicht mehr in der Einfahrt zum Hof, kein Brunnen mehr
Heimweh! Meine
Tränen begleiten dich danach und auch davor
Wenn
Erinnerungen mich umarmen, mein Herz traurig, der Himmel sternenleer
Ich höre die
alte Nachbarin nicht mehr rufen, nach unserem Hund
Wie streichelte
sie ihn so gerne. Sie schenkte mir Äpfel und Trauben
Und jetzt? So
viele, zu viele ruhen in der Heimaterde, schweigend ihr Mund
Meine Tränen
berühren das Tor. Sie gurren nicht mehr, unsere treuen Tauben
Rebenspalier
schon lange weg, ein neues Bild vor meinen Augen zu sehen
Fremd und doch
vertraut. Mein Elternhaus so einsam, so schweigsam vor mir
Ich sehe ihn, meinen
Mann, mit dem Ölfarbentopf durchs Haus gehen
Wie er die Gassenfenster gestrichen, im Hof die neue Glastür
Was waren wir
so stolz, weil alles von uns selbst gemacht
Jeder hatte
seine Rolle in diesem häuslichen Erhaltungsspiel
Man hat
zusammen geschuftet, gespart, geweint, getrauert und gelacht
Jeder hatte
seine Arbeit, und jede Arbeit ihr eigenes, wertvolles Ziel
Selbstversorgung
war der Weg durchs Leben. Selbsterhaltung
Damit es schön
und brauchbar bleibt, was mit viel Mühe und Schweiß erreicht
Immer und immer
wieder entflammte sie, die Hoffnung
Dass Heimweh, irgendwann,
meinem Hatzfeld die Hand wieder reicht
So gerne wäre
ich jetzt zuhause, in Hatzfeld, daheim
Der Vögel
Lieder hören, sehen der Blumenkelche Zauberpracht
Heimat! Mein
Heimweh wird immer und ewig bei dir sein
Die Sonne ging
längst unter. Da oben schon die Sternennacht
Ich öffne die
Augen, mein Traum ist vorbei, alles dahin
Tränen spüre
ich. Sie berühren schweigend mein Gesicht
Hatzfeld! Du
bist und bleibst meine Heimat. Tief in meinem Herzen drin
Bist du
Kathedrale von unverwechselbarem Seelenreichtum, ich vergesse dich
nicht
©Elisabeth
Anton, Speyer / Hatzfeld
09.02.2007
1. Östlicher Ortsteil von Hatzfeld. Kleine
Ansiedlung von wenigen Häusern. Fast jedes Haus hatte seinen kleinen Weingarten, vor
der Haustür.

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