Sonntag, 21. November 2021

Wenn Heimweh weint, werden Erinnerungen wach


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Wenn Heimweh weint, werden Erinnerungen wach                     

 

Es ruft die Turteltaube, draußen auf dem Kirschbaum

Und leise öffnet sich meiner Erinnerung Gedankenwelt

Ich sehe alles vor mir, wie ein schöner Traum

Nur ein Augenschließen und ich bin zuhause, in Hatzfeld

 

Ich sehe vor mir die leeren Gassen, die alte Eiche einsam im Park stehen

Den Sonntagmorgen, wie eine wohltuend ruhende Pracht

Ich sehe, auf der anderen Straßenseite, ein altes Mütterchen zum Friedhof gehen

Ich sehe, was Glück und Leid mit uns Menschen macht

 

Ich sehe einen Hund über die Hutwett laufen

Langsam sein Schritt. Ob er ein Zuhause hat

Ich sehe den alten Pfarrer die Kinder taufen

Den Sonnenaufgang, mal feuerrot brennend, mal wolkenmatt

 

Ich höre einen Hahn krähen, einen Pferdewagen fahren

Ich höre die Sirene rufen, versuche ihren Ruf zu deuten

Ich erinnere mich an der Hofbrunnen heimlichen Gefahren

Denke an Freunde, Nachbarn, Geschwätz von manchen Leuten

 

Ich sehe, wie die Schwalben ihre Nester bauen

Ich sehe die Traurigkeit, wenn sie wieder weiterziehen

Ich höre die Schneegänse, sehe mich zum Himmel schauen

Und zähle sie, solange sie in einer Reihe nach Süden ziehen

 

Ich sehe den Maulwurf im wertvollen Garten

Höre die Schweine grunzen, wenn sie matschend vor dem Trog

Ich sehe mich auf den zauberhaften Heimatfrühling warten

Alles wie ein Traum, des Heimwehs unhaltbarer Sog

 

Ich höre die alte Lokomotive dampfen

Wo sie damals, allmorgendlich, unter den Kastanienbäumen stand

Ich sehe auch die kochende Weißwäsche im Kessel dampfen

Und sehe mich als Kind, an Großvaters Hand

 

Ich sehe die Kinder auf der Hutwett spielen

Die Schmetterlinge und die Libellen am Himbeerstrauch

Ich sehe uns, mit Lehm auf die Erde zielen

Ins“ Kaule-Eis“ eingebrochen, das waren wir auch

 

Ich sehe den Wochenmarkt verlassen und leer

Ich sehe den Friedhof in seinem „Allerheiligen-Kleid“

Ich habe Heimweh nach Zuhause, fast keine Tränen mehr

Sie steht im Augenblick still, meine Zeit

 

Ich spüre meine Tränen, wie sie heimlich fallen

Ich fühle, wie Heimweh mir die Kehle zuschnürt

Ich höre aus der Kirche den Männerchor hallen

Ich sehe, wie die Gans ihre Kleinen zur Kaul führt

 

Ich sehe die Schneeglöckchen vor mir, und die Sommerblütenpracht

Ich sehe die Obstbäume schwer beladen in den Gärten stehen

Ich spüre, in meiner Seele wird es traurige Nacht

Versucht mein Heimweh Richtung Heimat zu gehen

 

Hatzfeld! Ein Stück Erde, irgendwo auf dieser Welt

Man hat dir eine besondere Geschichte bestellt

Meine Erinnerungen, mal wieder, den Weg nach Hause gewählt

Sonntagmorgen. Meine Gedanken gehören dir, du meine Heimat Hatzfeld

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   20.07.2003

 

 

 

 

 

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