Foto:©Elisabeth Anton
Traum und Wirklichkeit
Jahrzehnte voller Warten
Endlich, den Ausreisepass in der Hand
Zollkontrolle. Welch Starten
Einer Reise in die Freiheit, in ein fremdes Land
Koffer durchsuchen, durchwühlen
Fragen, abermals Fragen, abtasten
Hass? Nein! Kein Mitleid wollte ich fühlen
Mit den Engstirnigen dieser roten Quasten
Ein Toben, ein Gestikulieren
Ein Drängeln, ein Schieben, ohne Rücksicht
Uns in den Zug. Keiner wollte rebellieren
Nur fort, endlich fort. Der „Impegat“ in Sicht
Er winkt, er gibt ein Zeichen
Die Lokomotive zischt, die Räder fahren
Ich könnte sie umarmen, diese Schicksalsweichen
„Freu dich noch nicht, noch zu nah die Gefahren.“
Sagte mein Mann. Leer, doch gezielt sein Blick
Er nahm meine Hand. Felder, gezeichnete Erinnerung
Vorwärts! Weiter! Nie mehr zurück
Endlich, endlich Richtung Freiheit. Traum spürt Erfüllung
So war es damals, vor 34 Jahren, 13.07.1980. Heute
Heute noch stelle ich mir manche Fragen
Wofür ich gekämpft, alles verblasst. Eiskalt, die Leute
Ob mit, ob ohne Kinderwagen
Die edlen Werte meiner Kindheit
Sie schwinden dahin, hier in Deutschland
Was zählen Demokratie und Freiheit
Kehrt man die edlen Werte, schonungslos, Richtung Zivilisationsrand
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
19.02.2014

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