Der Geigenspieler an der Bahnhofsäule
Manchmal gehe ich zum
Bahnhof, mit traurigem Sinn
Weil Züge Erinnerungen wecken
- von Glück bis Leid
Sie kommen, sie fahren -
voller Leben - über die Gleise dahin
Überrollen im Takt des
Augenblicks die Schienen von Sein und Zeit
Vorne links, an der Bahnhofsäule,
da sitzt er und spielt
Seine Gedanken, Gefühle
gehören nur seiner Geigenmelodie
Wenn Schicksal mal
grausam auf Leben und Jugend zielt
Vergisst man die
Tragödie dieser Zeit nie
Allein sitzt er da, jeden
Tag, von früh bis spät
Und lässt seinen Bogen
über Noten und Melodien gleiten
Er weiß nie, wohin er
später mal geht
Schickt die Nacht ihren
Sternenzauber nach allen Seiten
Er lässt seine Geige spielen
– voller Herz und Gefühl
Hält den Bogen so
majestätisch in seiner Hand
Blind und taub, diese
Schritte aus dem Menschengewühl
Wo niemand hört, welch
Botschaft im Bogen, in des Geigenspielers Hand
Alles rennt - so leise, so
gefühlsarm - durch Zeit und Raum
Blind und taub für des
Geigenspielers Melodie
Keiner denkt mal, dass auch
diese Jugend einen Traum
Welch Geschenk, seiner
Geigensaiten Lebenssymphonie
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
10.06.2019
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