Dienstag, 11. Juni 2019

Der Geigenspieler an der Bahnhofsäule




















Der Geigenspieler an der Bahnhofsäule                    





Manchmal gehe ich zum Bahnhof, mit traurigem Sinn

Weil Züge Erinnerungen wecken - von Glück bis Leid

Sie kommen, sie fahren - voller Leben - über die Gleise dahin

Überrollen im Takt des Augenblicks die Schienen von Sein und Zeit



Vorne links, an der Bahnhofsäule, da sitzt er und spielt

Seine Gedanken, Gefühle gehören nur seiner Geigenmelodie

Wenn Schicksal mal grausam auf Leben und Jugend zielt

Vergisst man die Tragödie dieser Zeit nie



Allein sitzt er da, jeden Tag, von früh bis spät

Und lässt seinen Bogen über Noten und Melodien gleiten

Er weiß nie, wohin er später mal geht

Schickt die Nacht ihren Sternenzauber nach allen Seiten



Er lässt seine Geige spielen – voller Herz und Gefühl

Hält den Bogen so majestätisch in seiner Hand

Blind und taub, diese Schritte aus dem Menschengewühl

Wo niemand hört, welch Botschaft im Bogen, in des Geigenspielers Hand



Alles rennt - so leise, so gefühlsarm - durch Zeit und Raum

Blind und taub für des Geigenspielers Melodie

Keiner denkt mal, dass auch diese Jugend einen Traum

Welch Geschenk, seiner Geigensaiten Lebenssymphonie



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

          10.06.2019

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