Sonntag, 22. September 2019

Wenn nur die Erinnerung bleibt





















 Foto:©Elisabeth Anton




Wenn nur die Erinnerung bleibt                        


Der Tod, er ist der schwerste Schritt
Weil er die Tür zum Leben schließt
Er nimmt die Tränen deiner Traurigkeit nicht mit
Wenn keiner weiß, wohin der Zeitstrom fließt

Er lässt dich mit deiner Trauer, deinen Tränen allein
Er lässt dich mit all den gelebten Stunden zurück
Der Tod kann auch erlösend, auch grausam sein
Eines kann er bestimmt: Er kennt kein Zurück

Er nimmt dir das Liebste, mitten aus dem Leben
Er greift nach Kind, Jugend, nach dem Greis
Der Tod, er hat noch nie eine Chance gegeben
Er trägt dich fort – ob im Schlaf, ob schuftend im Schweiß

Er nimmt dir den Menschen, der ein Teil von dir
Er kommt, ohne zu fragen, nimmt einfach und geht
Der Tod schließt, ungefragt, eines Lebens Tür
Egal, wer danach hilflos vor seinem Weiterleben steht

Der Tod – so allmächtig wie die Natur mit ihrer Allmacht
Er ist mal da, mal dort – überallhin ihn das Leben treibt
Keiner von uns weiß, wann ihm die letzte Stunde gepacht´
Der Tod, er nimmt das Leben, die Erinnerung bleibt

Er zeigt uns, dass das Leben aus Samt und Stein
Aus Felsen, Seide, Blumen, Sand, Gras, Moos, Dornen besteht
Ohne den Tod sieht keiner von uns den Sonnenschein
Wer einst gelebt, muss wissen, dass er irgendwann auch geht

Lebe die Stunden, wie sie kommen
Lebe den Augenblick, des Glückes göttliches Treiben
Was dir einst als Glück gegeben, wird dir irgendwann genommen
Das ist der Preis des Lebens, wenn nur noch Erinnerungen bleiben

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
               12.01.2005





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