Samstag, 14. Dezember 2019

Wenn Grabsteine schweigend reden

















Foto:©Elisabeth Anton



Wenn Grabsteine schweigend reden                        

                  



Nachdenklich, traurig, gehe ich durchs Friedhofstor

In meinen Augen befreien sich die Tränen

Namen vom Regen verwischt, manche zu lesen. Wie nie zuvor

Beeilen sich Erinnerungen, ihre Geschichte zu erwähnen



Vor vielen Grabsteinen bete ich

Falte die Hände aus Ehrfurcht und Hoffnung

Nichts, nichts geblieben, weil nichts ewig

Überall nur Tränen voller Leid und Erinnerung



Halte inne, von Grabstein zu Grabstein

Generationen ausgelöscht, in so kurzer Zeit

Nur vier Jahrzehnte vergangen. Wie kann das sein

Dass sie ausgelöscht, verschwunden, Heimatgeborgenheit



Traurig stehe ich da, vor manchem Grab

Erinnerungen wühlen tief in meiner Seele

Vergänglichkeit, du ewiger Wanderstab

Ich bete. Den nächsten Grabstein ich wähle



Nachbarn, Schulfreunde, sie ruhen aus

Geborgen auf dem Friedhof ihrer Heimat

Sie blieben treu – Heimaterde, ihrem Zuhaus´

Weit, Richtung Westen, der Felder ruhende Saat



Dort, wo einst der farbenbunte Sonnenuntergang

Überquerte manch einer die Grenze, Richtung Freiheit

Was war er so erstickend, dieser Stacheldrahtvorhang

Weil die Mächtigen der Welt sie immer gelebt, ihre Skrupellosigkeit



Vor einem Grab noch, da knie ich betend, weinend, nieder

Berühre den Grabstein, mit zitternder Hand

„Ich habe dir heute deine Lieblingsblumen gebracht, weißer Flieder

So ewig lange schon, weilst du in Gottes Hand…“



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 20.10.2019




















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